Entstehungsgeschichte und Eröffnung*

Die Entstehungsgeschichte der damaligen „Halle Münsterland“ begann Anfang des 20. Jahrhunderts. Münster zeichnete sich schon damals durch ein stark landwirtschaftlich geprägtes Umland aus. Viehmärkte waren ein fester Bestandteil der Landwirtschaft. Auf dem damaligen „Neuplatz“ – dem heutigen „Schloßplatz“ in Münster – fand jahrelang der Viehmarkt mit regelmäßigen Versteigerungen statt. Jener hielt sich allerdings nicht an die Vorschriften des Viehseuchengesetzes von 1909. Die Stadt Münster wollte den Viehmarkt auslagern, denn der Schloßplatz war ebenfalls Austragungsort von vielen weiteren Veranstaltungen, dessen Veranstalter den Viehmarkt als störend empfanden. Man war lange auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück und wurde im Jahre 1922 schließlich fündig.

Das Grundstück der 1917 stillgelegten Gasanstalt in der Nähe des Hafens bot sich mit Anschluss an den Schienenverkehr optimal an, bedurfte jedoch eines umfangreichen Umbaus. Die Kosten sollen sich später bei 2 Millionen Reichsmark eingependelt haben. Zufällig war zum selben Zeitpunkt die Landwirtschaftskammer für Pferdezucht aus Warendorf auf der Suche nach einem neuen Standort in Münster. Dieser Umstand führte dazu, dass am 11.01.1922 eine Genossenschaft namens „Westfälischer Zuchtviehmarkt mit Reit- und Fahrschule GmbH“ gegründet wurde. Mitglieder der Genossenschaft waren die Reit- und Fahrschule, die Landwirtschaftskammer, die Verbände der Pferde-, Rinder- und Schweinezüchter und die Stadt Münster. Die Genossenschaft mietete die umgebauten Gebäude der Stadt an und nur ein halbes Jahr später – am 28.07.1922 – wurde der Betrieb am Albersloher Weg aufgenommen.

Der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Georg Sperlich zeigte früh großes Interesse an der erfolgreichen Zuchtviehmarktanlage. Bereits nach drei Jahren wollte er die Anlage und das mit ihr verbundene Veranstaltungsspektrum erweitern. Sperlich war dermaßen von seinem Vorhaben überzeugt, dass er im April 1925 eigenmächtig, ohne rechtliche Grundlage, den Startschuss zum Bau einer neuen Halle gab. In der neuen, sogenannten „Halle Münsterland“ sollten neben dem landwirtschaftlichen Zweck auch kulturelle und vor allem sportliche Veranstaltungen ausgetragen werden können.

Nur innerhalb eines Jahres wurde der Bau ohne Genehmigung verwirklicht.

Eröffnung

Am 17. und 18. April 1926 war ganz Münster auf den Beinen: Die westfälischen Reit- und Fahrvereine weihten die damalige Halle Münsterland mit einem Schauturnier ein. Neben einem Aufmarsch der ländlichen Reitvereine, wurde an beiden Tagen auch ein Gruppenspringen geboten.

Um das Jahr 1930 fanden in der nagelneuen Halle jährlich rund 40 Veranstaltungen mit 100.000 Besuchern statt. Dabei handelte es sich nicht nur um Aktionen der Züchterverbände, sondern auch um klassische Konzerte, große Versammlungen und Sportveranstaltungen wie Radrennen, Boxwettkämpfe und Turnfeste.

Erst am 23.11.1927 – anderthalb Jahre nach der Eröffnung der damaligen Halle Münsterland – wurde die Baugenehmigung nachgereicht. Man hatte die neue Halle allerdings auf Teilen des damaligen Hupfergeländes errichtet, weshalb sich die Firma Hupfer beschwerte und Schadensersatz in Höhe von 2 Millionen Reichsmark verlangte. Dies zog einen jahrelangen Rechtsstreit hinter sich her. Letztendlich stimmte das Magistrat der Übernahme der Kosten für den Bau der Halle (753.000 Reichsmark) und für den Bau eines Gleisanschlusses mit Verladerampe (108.000 Reichsmark) zu. Die von der Familie Hupfer geforderte Entschädigung konnte von der Stadt auf 900.000 Reichsmark reduziert werden. Der Rechtsstreit dauerte insgesamt über 10 Jahre, sodass die Familie Hupfer ihre Entschädigung erst im Jahre 1935 erhielt.

Firmierung

Seit ihrer Eröffnung firmierte der neu geschaffene Austragungsort für Veranstaltungen unter „Halle Münsterland“. Oftmals wird dieser auch heute noch fälschlicherweise als „Münsterlandhalle“ bezeichnet – diese steht jedoch in Cloppenburg.

Im Jahre 2009 firmierte die damalige Halle Münsterland offiziell um. Anstoß für die Umfirmierung gaben einige Veranstalter, welche die Räumlichkeiten des Unternehmens als Austragungsort für Kongresse nutzen. Was damals noch mit einer Halle begann, hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits lange zu einem großen Veranstaltungszentrum weiterentwickelt, welches neben der ursprünglichen Halle – in der heute vorwiegend Events, wie Konzerte, ausgetragen werden – ein Congress Centrum und drei Messehallen umfasst. Die Veranstalter machten das Unternehmen in dem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass die Firmierung „Halle Münsterland“ eher an eine Stadthalle, mit nur einer Halle denken lässt. Um der beabsichtigten Wahrnehmung als Austragungsort auch für Messen und Kongresse Rechnung zu tragen, entschied man sich demzufolge für eine Umfirmierung, weshalb die damalige Halle Münsterland seit 2009 als Messe und Congress Centrum Halle Münsterland agiert.

 

* vgl. insgesamt auch „Die Halle Münsterland 1926 bis 2001“ von Christa Wilbrand.